Definition & det-Homomorphismus
Algebraisch — invertierbare Matrizen
Sei K ein Körper. Die allgemeine lineare Gruppe besteht aus allen invertierbaren Matrizen:
Die Determinante ist ein Gruppenhomomorphismus auf die multiplikative Gruppe K× = K∖{0}:
Er ist surjektiv (jede Diagonalmatrix diag(λ,1,…,1) trifft λ). Sein Kern ist die spezielle lineare Gruppe:
Als Kern ist SL(n, K) ein Normalteiler, und nach dem Homomorphiesatz gilt GL(n, K) / SL(n, K) ≅ K×.
Anzahlformel |GL(n, 𝔽q)|
Kombinatorisch — Basen zählen
Über dem endlichen Körper 𝔽q (q = pk Primzahlpotenz) ist eine Matrix genau dann invertierbar, wenn ihre Spalten eine Basis von 𝔽qn bilden. Also ist |GL(n, q)| die Zahl der geordneten Basen. Man wählt die Spalten nacheinander:
Das Produkt aller Wahlmöglichkeiten ergibt:
Klammert man aus jedem Faktor die Potenz von q aus (qn−qk−1 = qk−1(qn−k+1−1)), erhält man die geschlossene Form:
SL, PGL & PSL
Abgeleitete Gruppen
Aus GL/SL ≅ 𝔽q× mit |𝔽q×| = q−1 folgt sofort die Ordnung der speziellen linearen Gruppe:
Faktorisiert man zusätzlich das Zentrum (Skalarmatrizen) heraus, entstehen die projektiven Gruppen — Quelle vieler einfacher Gruppen:
| Gruppe | Bildung | Ordnung |
|---|---|---|
| PGL(n, q) | GL / Z(GL) | |GL| / (q−1) |
| PSL(n, q) | SL / Z(SL) | |SL| / ggT(n, q−1) |
Für n ≥ 2 ist PSL(n, q) einfach — mit den beiden bekannten Ausnahmen PSL(2,2) ≅ S₃ und PSL(2,3) ≅ A₄.
Kleine Beispiele
Tabellarisch — konkrete Ordnungen
| Gruppe | Rechnung | Ordnung | Isomorphie |
|---|---|---|---|
| GL(1, q) | q − 1 | q−1 | 𝔽q× (zyklisch) |
| GL(2, 2) | 3 · 2 | 6 | ≅ S₃ (= PSL(2,2)) |
| GL(2, 3) | 8 · 6 | 48 | — |
| SL(2, 3) | 48 / 2 | 24 | binäre Tetraedergruppe |
| PSL(2, 3) | 24 / 2 | 12 | ≅ A₄ |
| GL(3, 2) | 7 · 6 · 4 | 168 | ≅ PSL(2,7) — einfach |
| SL(2, 4) | 180 / 3 | 60 | ≅ A₅ — einfach |
| SL(2, 5) | 480 / 4 | 120 | PSL(2,5) ≅ A₅ |
Musterrechnung GL(2, 3): (3²−1)(3²−3) = 8·6 = 48. Und qn(n−1)/2∏(qk−1) = 31·(3−1)(3²−1) = 3·2·8 = 48 — beide Formen stimmen überein.
Zentrum & Skalarmatrizen
Strukturell
Eine Matrix vertauscht genau dann mit allen invertierbaren Matrizen, wenn sie ein Vielfaches der Einheitsmatrix ist (Schur-artiges Argument). Also:
Für SL sind die zentralen Skalare die λ mit λn = 1, also Z(SL(n, q)) ≅ μn der Ordnung ggT(n, q−1) — das erklärt den Teiler in der PSL-Ordnung. GL ist für n ≥ 2 nicht-abelsch: das Zentrum ist nur ein kleiner Teil.
Prüfungsrelevanz & Anwendungen
Merkkern
- 1|GL(n, q)| = ∏k=0n−1(qn−qk) — Herleitung über das Zählen von Basen.
- 2det ist der Homomorphismus GL → K× mit Kern SL; daher |SL(n,q)| = |GL(n,q)|/(q−1).
- 3Zentrum = Skalarmatrizen ≅ K×; PSL(n,q) ist (fast immer) einfach.
- 4Merk-Isomorphien: GL(2,2)≅S₃, PSL(2,3)≅A₄, PSL(2,4)≅PSL(2,5)≅A₅, GL(3,2)≅PSL(2,7).
Anwendungen: