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p-Gruppen — Ordnung pn

Gruppen von Primzahlpotenz-Ordnung. Ihr nichttriviales Zentrum macht sie nilpotent und damit auflösbar; sie sind die Bausteine der Sylow-Theorie.

p-Gruppe

Definition
|G| = pn, p prim
Zentrum
Z(G) ≠ {e}
nilpotent
ja
auflösbar
ja
Normalreihe
Faktoren ≅ ℤp
max. UG
Index p, normal

Definition

Grundlegend

DefinitionEine endliche Gruppe G heißt p-Gruppe, wenn |G| = pn für eine Primzahl p und n ≥ 1.

Nach dem Satz von Cauchy/Lagrange hat jedes Element eine Ordnung, die eine p-Potenz ist. p-Gruppen sind die Sylow-Untergruppen beliebiger endlicher Gruppen — daher ihre zentrale Rolle.

Das Zentrum ist nichttrivial

Kernaussage — Beweis über die Klassengleichung

Die Klassengleichung zerlegt G nach Konjugiertenklassen. Zentrale Elemente bilden je eine Ein-Element-Klasse, nichtzentrale Repräsentanten xi Klassen der Größe [G : CG(xi)] > 1:

|G| = |Z(G)| + ∑i [G : CG(xi)]

Jeder Index [G : CG(xi)] teilt |G| = pn und ist > 1, also durch p teilbar. Da auch |G| durch p teilbar ist, muss |Z(G)| durch p teilbar sein — insbesondere |Z(G)| ≥ p.

Satz (KE 1, §1.5 Hagen). Jede nichttriviale p-Gruppe hat ein nichttriviales Zentrum: Z(G) ≠ {e}.

Folgerung (Ordnung p²). Ist |G| = p², so ist Z(G) = G oder |Z(G)| = p. Im zweiten Fall wäre G/Z(G) von Primordnung p, also zyklisch — und aus „G/Z zyklisch" folgt „G abelsch", Widerspruch. Also ist jede Gruppe der Ordnung p² abelsch: ℤp² oder ℤp × ℤp.

Nilpotenz, Auflösbarkeit & Normalreihe

Strukturell

Indem man wiederholt zum Zentrum übergeht (obere Zentralreihe), sieht man: jede p-Gruppe ist nilpotent, also erst recht auflösbar. Konkreter existiert eine Normalreihe mit lauter Faktoren ℤp:

{e}
◁ℤp
G1
◁ℤp
G2
◁ℤp
⋯
◁ℤp
G = Gn

Zu jedem Teiler pk von pn gibt es also einen Normalteiler dieser Ordnung. Maximale Untergruppen haben stets Index p und sind normal (sie enthalten die Frattini-Untergruppe). Das ist deutlich stärker als bei beliebigen Gruppen, wo die Umkehrung des Satzes von Lagrange scheitert (etwa A₄ ohne Untergruppe der Ordnung 6).

Kleine Ordnungen p, p², p³

Klassifikation

Ordnung# GruppenTypen
p1ℤp (zyklisch, einfach)
p²2ℤp², ℤp×ℤp — beide abelsch
p³53 abelsch + 2 nicht-abelsch

Für Ordnung p³ (p ungerade) sind die zwei nicht-abelschen Gruppen die Heisenberg-Gruppe (Exponent p) und eine Gruppe vom Exponenten p². Für p = 2 sind es D₄ und Q₈.

Die fünf Gruppen der Ordnung 8 = 2³

Leitbeispiel p = 2

GruppeArtMerkmal
ℤ₈abelsch, zyklisch1 Erzeuger, Ord. 8
ℤ₄ × ℤ₂abelschElement max. Ordnung 4
ℤ₂ × ℤ₂ × ℤ₂abelsch, elementaralle Elemente Ord. ≤ 2
D₄nicht-abelsch2 Elem. Ord. 4, 5 Elem. Ord. 2
Q₈nicht-abelsch, hamiltonsch6 Elem. Ord. 4, 1 Elem. Ord. 2

D₄ und Q₈ sind die einzigen nicht-abelschen Gruppen der Ordnung 8 (Satz 2.3.2 Hagen). Beide haben Zentrum ℤ₂ und Quotient V₄.

Prüfungsrelevanz & Anwendungen

Merkkern

  • 1Nichttriviales Zentrum: Beweis über die Klassengleichung — jeder nichtzentrale Klassenindex ist durch p teilbar.
  • 2Ordnung p² ⇒ abelsch (weil G/Z nicht zyklisch sein kann).
  • 3Jede p-Gruppe ist nilpotent, also auflösbar; Normalteiler zu jeder Ordnung pk.
  • 4Fünf Gruppen der Ordnung 8; die einzigen nicht-abelschen sind D₄ und Q₈.

Anwendungen:

Sylow-UntergruppenKlassifikation kleiner GruppenNilpotenzAuflösbarkeit & Galois-Theorie